Museum der Wanderungen
Mitten in der Altstadt von Frankenau steht ein imposant wirkendes,
aber leider recht verfallenes Eckhaus mit Zwiebelturm und Wetterfahne.
Einstmals gehörte es dem zu seiner Zeit wohl reichsten Mann der kleinen
Stadt, dem Lederhändler Isaak Manus Katzenstein. Jetzt bemüht sich eine
Initiative, das Haus, das jahrzehntelang leer stand, in ein Museum umzuwandeln.
Denn es birgt noch immer einen Schatz. 1906 wurde das Gebäude umfassend saniert und
nach den Bedürfnissen umgebaut. Im
Keller gibt es noch heute Reste eines jüdischen Kultbades, im obersten Turmzimmer
existiert noch immer eine Mechanik, um Teile des Daches zu öffnen und darunter
das Laubhüttenfest zu begehen. Das alte Ladengeschäft mit seinen runden
Glasfenstern ist noch komplett erhalten. Katzenstein, der den Spitznamen
„Ledermeyer“ hatte, war ein einflussreicher Bürger der Stadt, er pflegte
Geschäftsbeziehungen weit über Frankenau hinaus und saß im Stadtrat des Ortes.
Doch 1933, nach der Machtübernahme der Nazis, wurde er zunächst in Schutzhaft
genommen, später zog er nach Berlin, wo sich seine Spur in den 40er Jahren verlor.
Die jüdische Gemeinde in Frankenau zählte zu Beginn der 30er Jahre 14 Haushaltungen,
es gab eine Synagoge und einen Friedhof. Das Gotteshaus wurde 1938 abgerissen,
die jüdischen Bewohner mussten emigrieren. Im Rahmen der Museums-Initiative soll
nun versucht, ihre Lebenswege nachzuzeichnen.
Gegenstand des Museums ist aber nicht allein die Geschichte der Juden
in Frankenau, vielmehr soll ein „Museum der Wanderungen“ entstehen:
Wanderungen im weitesten Sinne. Da werden Geschichten von Flucht und
Vertreibung erzählt, von Arbeitsemigration und Wanderbewegung. Für diese
Thematik ist der Standort Frankenau prädestiniert, da die Geschichte des
Ortes und seiner Stadtteile in vielerlei Hinsicht eine Geschichte der Wanderungen
ist. Da lässt sich der Fluchtweg der Hugenotten in den heute zu Frankenau gehörenden
Ort Louisendorf nachzeichnen, aber auch die Not der Frankenauer, die sich auf
Arbeitssuche ins Ruhrgebiet begaben. Es geht um die Wanderung von Waren,
so etwa der Buchenstämme, die einst vom Kellerwald aus in Form von Thonet-Stühlen
ihren Weg in entfernte Länder fanden, wo sie bald als der „Kolonialstuhl“ galten.
Vom Militärdienst einiger Lengeltalbewohner in Amerika wird erzählt, und natürlich
auch vom Wandern im Wortsinne.
Mit dem Museum der Wanderungen wird Frankenau seinen Besuchern neben der
herrlichen Natur auch eine kulturelle Attraktion von hoher Qualität offerieren können.
- Kontaktadresse der Museums-Initiative Katzenstein-Haus:
Prof. Hildegard Feidel-Merz
Christiane Kohl
eMail: info@katzenstein-haus.de
