Kultstätte im Wald
Auf einsamer Höhe mitten im Wald stand einmal die Quernstkirche. Heute erinnern nur noch einige Erdwälle und ein freigelegter Mauerrest an das uralte Gotteshaus, dessen Ursprünge aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Zeit vor der Christianisierung zurückgeht.
Der Ort, von dem sich ein herrlicher Blick in die Landschaft bietet, war vermutlich ursprünglich eine germanische Kultstätte gewesen. Später wurde eine Kirche an die Stelle gebaut. Das geschah lange bevor der bekannte Missionar Bonifatius übers Land zog. Iro-schottische Mönche sollen das Gotteshaus errichtet haben, es wurde vermutlich Bischof Quirinus geweiht, einem Märtyrer, der im 3. Jahrhundert gelebt hatte.
Seit Bonifatius war die Kirche dem Papst unterstellt, als Schutzpatron ist der Heilige Thomas nachgewiesen. Im Mittelalter avancierte das Gotteshaus zu einer bedeutenden Wallfahrtskirche, wer es besuchte, bekam einen Ablass. Am 3. Mai, dem Tag der Auffindung des Kreuzes Christi, fand jedes Jahr ein Markt bei der Kirche statt. Nach der Überlieferung brachten die Bewohner der umliegenden Orte ihre Toten zur Bestattung auf den festummauerten Friedhof bei dem Gotteshaus. Als Folge der Reformation in Hessen wurde die Kirche jedoch aufgegeben, Turm und Mauern verfielen und wurden im 19. Jahrhundert als Steinbruch benutzt.
Heute kann man die verbliebenen Mauerreste besuchen und dabei die ganz eigene Atmosphäre erspüren, die auf der einsamen Waldlichtung herrscht. Eine Initiativ-Gruppe bemüht sich um die Errichtung einer Andachtsstätte für Wanderer an der Stelle, wo die Kirche einst stand.
- Verein Freunde der Quernst
Telefon 06455-7990
